Ö1 Gedanken, 54 Minuten
Die ehemalige Leiterin der Telefonseelsorge der Caritas, Marlies Mateja, über das Zuhören, gegenseitige Wertschätzung und die Zeit als wertvolles Gut.
Marlies Matejka leitete bis zu ihrer Pensionierung von 2007 bis 2020 die Telefonseelsorge der Caritas. Die gelernte Sozialarbeiterin fiel selbst mit ihrer Pensionierung zu Corona-Zeiten in ein Loch – mit dem Ende ihres Vollzeitjobs, den sie mit viel Herzblut und aus Überzeugung gemacht hatte, fehlte der Lebenssinn. Durch ihr ehrenamtliches Engagement im Plaudernetzwerk der Caritas fand sie wieder heraus aus dieser Sinnkrise.
„Mein Anliegen ist das Zuhören“, sagt Marlies Matejka. Dabei ist es nicht wichtig, als Zuhörende/r die richtigen Antworten parat zu haben – im Gegenteil. Einfach Interesse zeigen und nachfragen hilft oft mehr als gut gemeinte Lösungsvorschläge. Denn wenn man sich mitteilen kann und Interesse beim Gegenüber spürt, hilft das dabei, sich selbst, die eigenen Gefühle und Probleme auch wichtig zu nehmen. Sich selbst wertzuschätzen, hält Marlies Matejka für eine wichtige Kraftquelle. „In einem guten Gespräch kann die Antwort in mir selbst entstehen. Dadurch, dass ich für das, was mich bewegt, Begriffe finden muss, um mich mitzuteilen, wird meine Situation auch für mich begreifbarer.“
Marlies Matejka stammt ursprünglich aus Rhön in Hessen. Über ihr freiwilliges Engagement für taubblinde Menschen lernte sie als junge Erwachsene ihren Mann kennen und zog nach Wien. Zuhören, noch bevor es überhaupt zu einer Krise kommt – egal ob Menschen mit einer Einschränkung oder den Nachbarn – ist für die gelernte Sozialarbeiterin die beste Prävention.
