Ö1 Gedanken, 54 Minuten
„Innovativ zu sein bedeutet: immer wieder alles in Frage zu stellen.“ Der Südtiroler Hotelier und Buchautor Michil Costa über Gastfreundschaft, Gemeinwohlökonomie und touristische Monokultur.
Der Hotelier Michil Costa kritisiert den Massentourismus und fordert zum Beispiel verpflichtende höhere Aufenthaltsdauern für Gäste. Er polarisiert bewusst mit seinen Aussagen, bietet aber gleichzeitig konkrete Lösungsvorschläge in Hinblick auf Tourismusströme und den Ausverkauf der Alpen (insbesondere Südtirols). Sein Buch „Raus aus dem Rummel“ ist ein Plädoyer gegen die touristische Monokultur. 1956 eröffneten seine Eltern in Corvara ein Hotel – zu einer Zeit, in der man mit Tourismus in der Gegend noch nicht viel am Hut hatte. Mit viel Fleiß und Ausdauer schafften sie es, ihre Visionen zu verwirklichen. Bis 1975 das Hotel abbrannte. Ein Neubeginn der gelang. Das Hotel ist heute ein 5-Sterne Betrieb. Insgesamt betreibt Michil Costa vier Hotels, von drei Sternen bis fünf Sterne – eines davon für die MitarbeiterInnen. In allen Häusern wird die Gemeinwohlökonomie praktiziert. Das heißt zum Beispiel, dass auch die MitarbeiterInnen in viele der Entscheidungsprozess mit einbezogen werden. Nicht der Chef entscheidet allein, sondern alle zusammen. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Gemeinwohlökonomie ist die soziale Gerechtigkeit, die sich auch in der klassischen Arbeitsaufteilung zwischen den Geschlechtern und den oftmals damit zusammenhängenden Löhnen widerspiegelt. Ziel ist es, dass sich die MitarbeiterInnen als wertvoller Teil des Betriebs wahrnehmen und insgesamt zufriedener sind. Und das zeigt sich wiederum in der Gastfreundschaft. Dass all dies seinen Preis hat, den nicht jeder bezahlen kann, ist Michil Costa klar – doch er fordert einen Tourismus, der dem „Instagram- und Selfie-Hype“ gezielt und mutig Maßnahmen entgegensetzt.
