Porta Vescoco: Eigeld macht Schnee

erschienen in Die Presse, 16./17. Dezember 2017

ITALIEN. Sich eine eigene Skipiste zu bauen mag der Traum so mancher Profi-Skifahrer sein. Der italienische Unternehmer Luigi Gorza verwirklichte sich diesen Traum 1972. Bis heute sind die Lifte in Familienbesitz.

„Mein Vater war ein sehr guter Skifahrer, er baute sich sogar seine Ski noch selbst. Wenn er einen Berg sah, überlegte er, ob das ein guter Berg zum Skifahren sein könnte. Dieser Berg hier war für ihn perfekt. Mein Vater entwarf die Piste so, wie er gern Ski fuhr: weite Schwünge und vor allem schnell.“ Manuela Gorza lacht.

Die Talstation der Seilbahn liegt im Ort Arabba auf 1600 Metern Seehöhe an der Südseite des Sella Massivs. Arabba gehört zu den Dolomiten, liegt aber bereits im Veneto. Der Ort selbst besticht nicht unbedingt durch seinen Charme, dient er im Winter doch höchstens als kurzer Zwischenstopp zur Stärkung für die Skifahrer, die hier für die Sella Umrundung die Straße queren müssen. Gleich drei Gondelbahnen führen von Arabba ins Porta Vescovo Dolomiti Resort – alle drei zu unterschiedlichen Bergstationen. Die längste davon ist auch gleichzeitig die älteste. Sie brannte bereits im Jahr der ersten Inbetriebnahme ab. „Er war ein Mann voller Energie“, sagt Manuela Gorza über ihren verstorbenen Vater. „Er zuckte mit den Schultern und ließ die Anlagen wieder neu aufbauen.“ So kam jedes Jahr ein neuer Pistenabschnitt oder Lift zum Skigebiet dazu. Im Skigebiet Porta Vescovo ticken die Uhren anders. Es ist ruhiger. Der Wintersport-Trubel scheint weit, weit weg. Keine Hüttengaudi, trotz bestens präparierter Pisten. Der Schnee ist griffig, einige Pisten anspruchsvoller. Abschnittsweise ist man völlig allein.

Luigi Gorza stammte aus ein Unternehmer-Familie, die mit Holz handelte. Wenn er etwas in Angriff nahm, dann mit vollem Elan. Nachdem sie als drittes von fünf Kindern in Feltre geboren wurde, kauften ihre Eltern zwei Hühner, um immer frische Eier für die Kleinen zu haben. Wenig später wurde daraus die größte Hühnerfarm Italiens. Gekaufte Kekse waren daheim tabu. Alles wurde selbst gemacht.

6 Gänge auf 2500 Metern

Das Essen spielt auch heute eine große Rolle in Porta Vescovo. An der Bergstation der längsten Seilbahn liegt das Rifugio Luigi Gorza. Anfangs war es nicht mehr als eine bescheidene Hütte. Als immer mehr Skifahrer kamen, wurde es ausgebaut. Die Eröffnung des modernen Neubaus 1996 erlebte der Vater nicht mehr mit. Er starb im selben Jahr. Das Rifugio beherbergt ein helles Selbstbedienungsrestaurant mit Ausblick auf Sella- Stock und Marmolata-Gletscher. Daran angeschlossen ist das Viel dal Pan, das höchstgelegene Gourmetrestaurant in den Dolomiten. Namengebend ist seine Lage entlang dem alten Brotweg (Via dal Pane), auf dem früher das Getreide zwischen Eisack- und Agordino-Tal transportiert wurde.

An ausgewählten Abenden wird beim „Dinner unter dem Sternenhimmel“ ein sechsgängiges Gourmetmenü serviert. Nach dem Dinieren auf 2500 Metern ist die kalte Luft auf dem Weg zurück zur Seilbahn eine willkommene Verdauungshilfe. Die Augen haben Zeit, sich an die Dunkelheit zu gewöhnen. In der Ferne blinken die Lichter der Pistenraupen, die Felsformationen wirken noch bedrohlicher und geheimnisvoller als bei Tag, da ihre Struktur kaum auszumachen ist. In einer klaren Winternacht sind deutlich einige Sternbilder über den Gebirgszügen zu erkennen. Das gemütlich wie modern eingerichtete Viel dal Pan mit seinen gerade einmal zehn Tischen ist Manuela Gorzas ganzer Stolz. Als sie 1998 von Mailand nach Porta Vescovo kam, um gemeinsam mit ihrem Bruder Attilio die Leitung zu übernehmen, gab es in Arabba kaum frische Zutaten. Die Abgeschiedenheit einer Region ist für sie jedoch keine Ausrede, um sich mit Tomatensauce aus der Dose zufriedenzugeben. Seit über 15 Jahren arbeitet sie unermüdlich daran, den scheinbaren Widerspruch zwischen „abgelegenes Bergdorf“ und „frische Zutaten“ zu überwinden. „Früher war es sicher schwieriger, gesundes und gutes Essen herzubekommen. Aber heute? Schritt für Schritt habe ich Veränderungen eingeführt, Leute mit der gleichen Mentalität gesucht. Jetzt, mit dem Viel dal Pan bin ich glücklich. Finalmente.“

Mit ihrem Qualitätsanspruch, den sie selbst stets zu erfüllen bemüht ist, macht sich Gorza in der Region nicht nur Freunde. In Küchenchef Ivan Materese hat sie jedenfalls einen Verbündeten für die Kulinarikmission im Sinne des Vaters gefunden.

Tipps

Liftkarten: Das Porta Vescovo Dolomiti Resort ist Teil von Dolomiti Superski. Mit dem Skipass können 450 Liftanlagen und 1200 Pistenkilometer genutzt werden. Tageskarte für Erwachsene in der Hauptsaison: 59 Euro. Pro Erwachse- nem gibt’s für ein Kind bis 8 Jahre einen Freiskipass, www.dolomitisuperski.com
Dinner unter dem Sternenhimmel: im „Viel dal Pan“ an sechs Abenden in der Wintersaison (27. 12, 3. 1., 7. 2., 14. 2., 14. 3., 4. 4.) sowie zu Silvester. P. P. 80 Euro, Info, Reservierung, Shuttle-Dienst: +39 436 79472, +39 335 6306696 Rifugio Luigi Gorza: SB-Restaurant an der Bergstation der Seilbahn. Moderne Fusionsküche mit Gerichten wie Rehgulasch mit Kakaoduft oder Tinten- fisch mit Erbsen. Hausgemachte Pizza und Foccacce.
Cesa da Fuoch: Pistenrestaurant an der Mittelstation der Gondelbahn mit zwei Sonnenterrassen. Alle Gerichte werden frisch a` la minute zubereitet. Infos: www.dolomitiportavescovo.it

Hotel-Tipp: Das Fünf-Sterne-Hotel Sassongher in Corvara, ein Familien- betrieb, liegt einen kurzen Spaziergang vom Zentrum entfernt etwas höher am Fuße des gleichnamigen Bergmassivs und bietet einen Traumausblick auf Corvara, La Villa und den Sella-Stock. Großer Wellnessbereich und drei historische Stuben mit verschiedenen Speisekarten. www.sassongher.it

Anreise: Arabba ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur sehr umständlich zu erreichen. Anreise nach Corvara und Arabba mit dem Auto z. B. über Innsbruck, Brenner Autobahn und Bruneck (Corvara) oder über Villach, Lienz und Cortina d’Ampezzo (Arabba).

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